Flüchtlingsrat Berlin Neue Meldungen

20.03.17: Recht auf Familienzusammenf√ľhrung f√ľr Fl√ľchtlingskinder - sofort!

14.03.17: Verwaltungsgericht stoppt obdachlos Aussetzen anerkannter Fl√ľchtlinge durch Berliner Sozial√§mter

09.03.17: Einstufung der Maghreb-Staaten als sicher: Bef√ľrworter haben keine Argumente

07.03.17: Berlins Ausl√§nderbeh√∂rde verhindert Integration von Gefl√ľchteten

03.03.17: Bundesregierung gießt rechte Forderungen in Gesetz

01.03.18: 50.000 Menschen fordern Relocation! √úbergabe der Petition an das BMI


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Forderungen an die neue Berliner Landesregierung
Berlin braucht eine menschenw√ľrdige Fl√ľchtlingspolitik! 
Forderungskatalog des Fl√ľchtlingsrats, Sept. 2016

Aktuelle Gesetzgebung Aufenthalts- und Asylrecht
ED-Behandlung von Kindern, Familiennachzug, Kinderehen, Durchsetzung Ausreisepflicht, Abschiebehaft, AsylbLG, "Integrations"gesetz, Wohnsitzauflagen, Asylpakete I und II, Umverteilung UMF, K√∂ln-Gesetz, sichere Herkunftsl√§nder, usw., Gesetzgebung seit Herbst 2015, Stand 28.03.2017

Verschärfung AsylbLG ab 2017
Entwurf 10% Leistungsk√ľrzung in Sammelunterk√ľnften

Eine Unterkunft f√ľr Gefl√ľchtete beantragen
Angemessenen Unterkunftsplatz und Kosten√ľbernahme f√ľr eine Mietwohnung bei Berliner Sozialbeh√∂rden beantragen und durchsetzen, Stand Mai 2016

Fl√ľchtlingsproteste Oranienplatz und Gerhart Hauptmann Schule
Chronologie, Forderungen, Dokumente, Stand Dez. 2014
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16.03.16: Jugendlicher aus betreuter Jugendwohngruppe ohne Vorwarnung abgeschoben

Gemeinsame Pressemitteilung vom Bundesfachverband unbegleitete minderj√§hrige Fl√ľchtlinge e.V., WeGe ins Leben e.V. und Fl√ľchtlingsrat Berlin e.V.


Am Mittwoch, den 9. M√§rz 2016 wurde der 18 j√§hrige Surakata C. aus Gambia mitten in der Nacht ohne Vorwarnung aus einer sozialp√§dagogisch betreuten Jugendwohngruppe abgeschoben. Der betreuende Jugendhilfetr√§ger WeGe ins Leben e.V., der Fl√ľchtlingsrat Berlin und der Bundesfachverband unbegleitete minderj√§hrige Fl√ľchtlinge kritisieren das Vorgehen der Berliner Ausl√§nderbeh√∂rde scharf.
 
Der junge Gambier Surakata C. wurde um 3:40 Uhr morgens von vier Polizisten aus einer Wohngruppe des Internationalen Jugendwohnens (Tr√§ger WeGe ins Leben e.V.) in Mariendorf abgeholt und direkt nach Gambia abgeschoben. Die Beamten h√§tten pl√∂tzlich in der Wohnung gestanden und Surakata C. abgef√ľhrt, berichten seine Mitbewohner.
 
Weder er selbst noch seine Sozialarbeiter waren √ľber die bevorstehende Abschiebung informiert worden. Die Ausl√§nderbeh√∂rde hatte sich offensichtlich ohne Wissen des Jugendlichen und seiner Sozialarbeiter einen Pass oder ein ‚ÄöLaissez-Passer‚Äô f√ľr Gambia besorgt.
 
Surakata C. wohnte seit zwei Jahren in der betreuten Wohngruppe und wurde im Rahmen des ¬ß 41 SGB VIII (Hilfe f√ľr junge Vollj√§hrige, die einen besonderen Hilfebedarf junger Vollj√§hriger voraussetzt) durch das Internationale Jugendwohnen betreut. Vor zwei Jahren kam er als unbegleiteter Minderj√§hriger nach Berlin, besa√ü eine Duldung, ist nie polizeiauff√§llig geworden, besuchte die Deutschkurse des Projekts SPI Flucht nach vorn und ein Qualifizierungsprojekt in der Schlesischen Stra√üe 27 (Internationales Jugendkunst- und Kulturhaus).
 
Katharina M√ľhlbeyer vom Fl√ľchtlingsrat sieht in dieser unangek√ľndigten Abschiebung keinen Einzelfall:
 
‚ÄěDie Abschiebungspraxis der Berliner Ausl√§nderbeh√∂rde wird zunehmend undurchsichtiger. Immer h√§ufiger berichten uns Gefl√ľchtete und Ehrenamtliche von v√∂llig √ľberraschenden Abschiebungen im Morgengrauen. Vor allem f√ľr einen Jugendlichen, der seit zwei Jahren in einer Jugendwohngruppe wohnt und mit Erfolg an Integrationsma√ünahmen teilnimmt, ist eine solche Abschiebung besonders traumatisch.‚Äú
 
Die Mitbewohner von Surakata C. sind seit dem Vorfall stark ver√§ngstigt und in schlechter psychischer Verfassung. In der Wohngruppe leben drei andere Jugendliche, zwei Minderj√§hrige aus Afghanistan und Syrien und ein Vollj√§hriger aus Guinea. Viele haben negative Erlebnisse mit Polizeibeh√∂rden erlebt oder sind traumatisiert durch B√ľrgerkrieg, Folter und Flucht.
 
Sowohl der Tr√§ger WeGe ins Leben e.V. als auch der Bundesfachverband f√ľr unbegleitete minderj√§hrige Fl√ľchtlinge e.V. (BumF) und der Fl√ľchtlingsrat Berlin e.V. zeigen sich geschockt √ľber die Abschiebung:
 
"Aufgabe der Jugendhilfe in der Arbeit mit jungen Gefl√ľchteten ist das Schaffen eines sicheren Ortes. N√§chtliche unangek√ľndigte Abschiebungen schaffen ein Klima der Angst‚Äú, sagt Franziska Schmidt vom BumF. ‚ÄěDer Berliner Senat muss unangek√ľndigte Abschiebungen aus den Jugendhilfeeinrichtungen sofort stoppen. Das Kinder- und Jugendhilferecht darf nicht durch ordnungspolitische Interessen ausgeh√∂hlt werden."
 
Dies gelte umso mehr, als dass es sich bei den Jugendlichen zumeist um durch Krieg traumatisierte Menschen handelt, die eines besonderen Schutzes bed√ľrfen. Durch Abschiebungen aus einem betreuten Wohnprojekt wird das Kindeswohl gef√§hrdet und die Erf√ľllung des p√§dagogischen Auftrages der Jugendhilfe unm√∂glich.
 
‚ÄěWir k√∂nnen nicht akzeptieren, dass die p√§dagogische Arbeit der Berliner Jugendhilfeeinrichtungen mit Fl√ľchtlingen durch die Ausl√§nderbeh√∂rde und Polizei torpediert wird‚Äú, sagt Martin Backhaus von WeGe ins Leben e.V.
 
Fl√ľchtlingsrat, BumF und WeGe ins Leben e.V. fordern gemeinsam, dass Abschiebungen aus Jugendhilfeeinrichtungen sofort gestoppt werden. Die Berliner Ausl√§nderbeh√∂rde, darf nicht l√§nger Menschen ohne Vorwarnung aus ihrer vertrauten Umgebung herausrei√üen und sie so schwer traumatisieren. Zudem muss eine l√ľckenlose Aufkl√§rung der Rechtm√§√üigkeit der Abschiebung und des n√§chtlichen Eindringens der Polizisten in die Wohnung der Jugendeinrichtung stattfinden.
 
Pressekontakte:

Internationales Jugendwohnen
Träger: WeGe ins Leben e.V.
Tel. B√ľro: 030/8329633
 
Fl√ľchtlingsrat Berlin e.V.
Tel. B√ľro: 030/243445762
 
Bundesfachverband unbegleitete minderj√§hrige Fl√ľchtlinge e.V. (BumF)
Tel. B√ľro: 030/82097430






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