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Ratgeber für Geflüchtete in Berlin
Behördenzuständigkeit, Aufenthalts- und Asylrecht, soziale Teilhaberechte, 2. A. November 2017, hier als Buch und als Download

Aktuelle Gesetzgebung Aufenthalts- und Asylrecht
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Forderungen an die neue Berliner Landesregierung
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16.03.16: Jugendlicher aus betreuter Jugendwohngruppe ohne Vorwarnung abgeschoben

Gemeinsame Pressemitteilung vom Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V., WeGe ins Leben e.V. und Flüchtlingsrat Berlin e.V.


Am Mittwoch, den 9. März 2016 wurde der 18 jährige Surakata C. aus Gambia mitten in der Nacht ohne Vorwarnung aus einer sozialpädagogisch betreuten Jugendwohngruppe abgeschoben. Der betreuende Jugendhilfeträger WeGe ins Leben e.V., der Flüchtlingsrat Berlin und der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kritisieren das Vorgehen der Berliner Ausländerbehörde scharf.
 
Der junge Gambier Surakata C. wurde um 3:40 Uhr morgens von vier Polizisten aus einer Wohngruppe des Internationalen Jugendwohnens (Träger WeGe ins Leben e.V.) in Mariendorf abgeholt und direkt nach Gambia abgeschoben. Die Beamten hätten plötzlich in der Wohnung gestanden und Surakata C. abgeführt, berichten seine Mitbewohner.
 
Weder er selbst noch seine Sozialarbeiter waren über die bevorstehende Abschiebung informiert worden. Die Ausländerbehörde hatte sich offensichtlich ohne Wissen des Jugendlichen und seiner Sozialarbeiter einen Pass oder ein ‚Laissez-Passer’ für Gambia besorgt.
 
Surakata C. wohnte seit zwei Jahren in der betreuten Wohngruppe und wurde im Rahmen des § 41 SGB VIII (Hilfe für junge Volljährige, die einen besonderen Hilfebedarf junger Volljähriger voraussetzt) durch das Internationale Jugendwohnen betreut. Vor zwei Jahren kam er als unbegleiteter Minderjähriger nach Berlin, besaß eine Duldung, ist nie polizeiauffällig geworden, besuchte die Deutschkurse des Projekts SPI Flucht nach vorn und ein Qualifizierungsprojekt in der Schlesischen Straße 27 (Internationales Jugendkunst- und Kulturhaus).
 
Katharina Mühlbeyer vom Flüchtlingsrat sieht in dieser unangekündigten Abschiebung keinen Einzelfall:
 
„Die Abschiebungspraxis der Berliner Ausländerbehörde wird zunehmend undurchsichtiger. Immer häufiger berichten uns Geflüchtete und Ehrenamtliche von völlig überraschenden Abschiebungen im Morgengrauen. Vor allem für einen Jugendlichen, der seit zwei Jahren in einer Jugendwohngruppe wohnt und mit Erfolg an Integrationsmaßnahmen teilnimmt, ist eine solche Abschiebung besonders traumatisch.“
 
Die Mitbewohner von Surakata C. sind seit dem Vorfall stark verängstigt und in schlechter psychischer Verfassung. In der Wohngruppe leben drei andere Jugendliche, zwei Minderjährige aus Afghanistan und Syrien und ein Volljähriger aus Guinea. Viele haben negative Erlebnisse mit Polizeibehörden erlebt oder sind traumatisiert durch Bürgerkrieg, Folter und Flucht.
 
Sowohl der Träger WeGe ins Leben e.V. als auch der Bundesfachverband für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V. (BumF) und der Flüchtlingsrat Berlin e.V. zeigen sich geschockt über die Abschiebung:
 
"Aufgabe der Jugendhilfe in der Arbeit mit jungen Geflüchteten ist das Schaffen eines sicheren Ortes. Nächtliche unangekündigte Abschiebungen schaffen ein Klima der Angst“, sagt Franziska Schmidt vom BumF. „Der Berliner Senat muss unangekündigte Abschiebungen aus den Jugendhilfeeinrichtungen sofort stoppen. Das Kinder- und Jugendhilferecht darf nicht durch ordnungspolitische Interessen ausgehöhlt werden."
 
Dies gelte umso mehr, als dass es sich bei den Jugendlichen zumeist um durch Krieg traumatisierte Menschen handelt, die eines besonderen Schutzes bedürfen. Durch Abschiebungen aus einem betreuten Wohnprojekt wird das Kindeswohl gefährdet und die Erfüllung des pädagogischen Auftrages der Jugendhilfe unmöglich.
 
„Wir können nicht akzeptieren, dass die pädagogische Arbeit der Berliner Jugendhilfeeinrichtungen mit Flüchtlingen durch die Ausländerbehörde und Polizei torpediert wird“, sagt Martin Backhaus von WeGe ins Leben e.V.
 
Flüchtlingsrat, BumF und WeGe ins Leben e.V. fordern gemeinsam, dass Abschiebungen aus Jugendhilfeeinrichtungen sofort gestoppt werden. Die Berliner Ausländerbehörde, darf nicht länger Menschen ohne Vorwarnung aus ihrer vertrauten Umgebung herausreißen und sie so schwer traumatisieren. Zudem muss eine lückenlose Aufklärung der Rechtmäßigkeit der Abschiebung und des nächtlichen Eindringens der Polizisten in die Wohnung der Jugendeinrichtung stattfinden.
 
Pressekontakte:

Internationales Jugendwohnen
Träger: WeGe ins Leben e.V.
Tel. Büro: 030/8329633
 
Flüchtlingsrat Berlin e.V.
Tel. Büro: 030/243445762
 
Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V. (BumF)
Tel. Büro: 030/82097430






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