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Forderungskatalog des Fl├╝chtlingsrats, Sept. 2016

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Versch├Ąrfung AsylbLG ab 2017
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Fl├╝chtlingsproteste Oranienplatz und Gerhart Hauptmann Schule
Chronologie, Forderungen, Dokumente, Stand Dez. 2014
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16.03.16: Jugendlicher aus betreuter Jugendwohngruppe ohne Vorwarnung abgeschoben

Gemeinsame Pressemitteilung vom Bundesfachverband unbegleitete minderj├Ąhrige Fl├╝chtlinge e.V., WeGe ins Leben e.V. und Fl├╝chtlingsrat Berlin e.V.


Am Mittwoch, den 9. M├Ąrz 2016 wurde der 18 j├Ąhrige Surakata C. aus Gambia mitten in der Nacht ohne Vorwarnung aus einer sozialp├Ądagogisch betreuten Jugendwohngruppe abgeschoben. Der betreuende Jugendhilfetr├Ąger WeGe ins Leben e.V., der Fl├╝chtlingsrat Berlin und der Bundesfachverband unbegleitete minderj├Ąhrige Fl├╝chtlinge kritisieren das Vorgehen der Berliner Ausl├Ąnderbeh├Ârde scharf.
 
Der junge Gambier Surakata C. wurde um 3:40 Uhr morgens von vier Polizisten aus einer Wohngruppe des Internationalen Jugendwohnens (Tr├Ąger WeGe ins Leben e.V.) in Mariendorf abgeholt und direkt nach Gambia abgeschoben. Die Beamten h├Ątten pl├Âtzlich in der Wohnung gestanden und Surakata C. abgef├╝hrt, berichten seine Mitbewohner.
 
Weder er selbst noch seine Sozialarbeiter waren ├╝ber die bevorstehende Abschiebung informiert worden. Die Ausl├Ąnderbeh├Ârde hatte sich offensichtlich ohne Wissen des Jugendlichen und seiner Sozialarbeiter einen Pass oder ein ÔÇÜLaissez-PasserÔÇÖ f├╝r Gambia besorgt.
 
Surakata C. wohnte seit zwei Jahren in der betreuten Wohngruppe und wurde im Rahmen des ┬ž 41 SGB VIII (Hilfe f├╝r junge Vollj├Ąhrige, die einen besonderen Hilfebedarf junger Vollj├Ąhriger voraussetzt) durch das Internationale Jugendwohnen betreut. Vor zwei Jahren kam er als unbegleiteter Minderj├Ąhriger nach Berlin, besa├č eine Duldung, ist nie polizeiauff├Ąllig geworden, besuchte die Deutschkurse des Projekts SPI Flucht nach vorn und ein Qualifizierungsprojekt in der Schlesischen Stra├če 27 (Internationales Jugendkunst- und Kulturhaus).
 
Katharina M├╝hlbeyer vom Fl├╝chtlingsrat sieht in dieser unangek├╝ndigten Abschiebung keinen Einzelfall:
 
ÔÇ×Die Abschiebungspraxis der Berliner Ausl├Ąnderbeh├Ârde wird zunehmend undurchsichtiger. Immer h├Ąufiger berichten uns Gefl├╝chtete und Ehrenamtliche von v├Âllig ├╝berraschenden Abschiebungen im Morgengrauen. Vor allem f├╝r einen Jugendlichen, der seit zwei Jahren in einer Jugendwohngruppe wohnt und mit Erfolg an Integrationsma├čnahmen teilnimmt, ist eine solche Abschiebung besonders traumatisch.ÔÇť
 
Die Mitbewohner von Surakata C. sind seit dem Vorfall stark ver├Ąngstigt und in schlechter psychischer Verfassung. In der Wohngruppe leben drei andere Jugendliche, zwei Minderj├Ąhrige aus Afghanistan und Syrien und ein Vollj├Ąhriger aus Guinea. Viele haben negative Erlebnisse mit Polizeibeh├Ârden erlebt oder sind traumatisiert durch B├╝rgerkrieg, Folter und Flucht.
 
Sowohl der Tr├Ąger WeGe ins Leben e.V. als auch der Bundesfachverband f├╝r unbegleitete minderj├Ąhrige Fl├╝chtlinge e.V. (BumF) und der Fl├╝chtlingsrat Berlin e.V. zeigen sich geschockt ├╝ber die Abschiebung:
 
"Aufgabe der Jugendhilfe in der Arbeit mit jungen Gefl├╝chteten ist das Schaffen eines sicheren Ortes. N├Ąchtliche unangek├╝ndigte Abschiebungen schaffen ein Klima der AngstÔÇť, sagt Franziska Schmidt vom BumF. ÔÇ×Der Berliner Senat muss unangek├╝ndigte Abschiebungen aus den Jugendhilfeeinrichtungen sofort stoppen. Das Kinder- und Jugendhilferecht darf nicht durch ordnungspolitische Interessen ausgeh├Âhlt werden."
 
Dies gelte umso mehr, als dass es sich bei den Jugendlichen zumeist um durch Krieg traumatisierte Menschen handelt, die eines besonderen Schutzes bed├╝rfen. Durch Abschiebungen aus einem betreuten Wohnprojekt wird das Kindeswohl gef├Ąhrdet und die Erf├╝llung des p├Ądagogischen Auftrages der Jugendhilfe unm├Âglich.
 
ÔÇ×Wir k├Ânnen nicht akzeptieren, dass die p├Ądagogische Arbeit der Berliner Jugendhilfeeinrichtungen mit Fl├╝chtlingen durch die Ausl├Ąnderbeh├Ârde und Polizei torpediert wirdÔÇť, sagt Martin Backhaus von WeGe ins Leben e.V.
 
Fl├╝chtlingsrat, BumF und WeGe ins Leben e.V. fordern gemeinsam, dass Abschiebungen aus Jugendhilfeeinrichtungen sofort gestoppt werden. Die Berliner Ausl├Ąnderbeh├Ârde, darf nicht l├Ąnger Menschen ohne Vorwarnung aus ihrer vertrauten Umgebung herausrei├čen und sie so schwer traumatisieren. Zudem muss eine l├╝ckenlose Aufkl├Ąrung der Rechtm├Ą├čigkeit der Abschiebung und des n├Ąchtlichen Eindringens der Polizisten in die Wohnung der Jugendeinrichtung stattfinden.
 
Pressekontakte:

Internationales Jugendwohnen
Tr├Ąger: WeGe ins Leben e.V.
Tel. B├╝ro: 030/8329633
 
Fl├╝chtlingsrat Berlin e.V.
Tel. B├╝ro: 030/243445762
 
Bundesfachverband unbegleitete minderj├Ąhrige Fl├╝chtlinge e.V. (BumF)
Tel. B├╝ro: 030/82097430






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