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Traudl Vorbrodt erhält Bundesverdienstkreuz


Pressemitteilung vom 25.02.2009

Die Übergabe durch Innensenator Ehrhart Körting (Körtings Rede zur Ordensverleihung) fand am 25.02. um 13.30 Uhr statt.

Die Berliner Morgenpost vom 24.02.09 meldet dazu:

"Traudl Vorbrodt (70), seit mehr als 20 Jahren in der Berliner Flüchtlingsarbeit aktiv, erhält das Bundesverdienstkreuz. Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) überreicht ihr das Ehrenzeichen morgen in seiner Dienststelle, wie der Senat am Montag angab. Traudl Vorbrodts Engagement sei bundesweit für viele Menschen zum Vorbild geworden, erklärte die Senatsinnenverwaltung. Es präge die Arbeit mit Flüchtlingen und anderen Migranten. Vorbrodt habe mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, dass in Deutschland ein Umdenken in der Ausländer- und Integrationspolitik erfolgt sei."

Traudl Vorbrodt ist seit vielen Jahren in der Berliner Härtefallkommission engagiert. Sie leistet ehrenamtlich als Vertreterin des Flüchtlingsrates in der Kommission mit großem Engagement die nötige Beratungsarbeit, um die Härtefalleingaben gründlich vorzubereiten und Ausländern, die in Berlin akut von Abschiebung bedroht sind, den Zugang zu einem Aufenthalts- und Bleiberecht aus humanitären Gründen zu ermöglichen.



Die Rede Traudl Vorbrodts anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes


Der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an mich kann ich sicher nicht angemessen begegnen.

Theoretisch und auch Dank Google und Wikipedia kenne ich den Sinn und die Bedeutung eines Bundesverdienstkreuzes aber die Verleihung an mich ist mir einfach unangenehm. Warum ich? Was habe ich getan, das nicht zumindest viele der hier Anwesenden auch tun und häufig effektiver.

Zu einigen bisher Ausgezeichneten, wie z.B. Herrn Zumwinkel oder Herrn Merckle, kann ich schon gar keine Gemeinsamkeiten im Verdienst finden.

Aber ich nehme das Kreuz an, danke Ihnen, weiß aber nicht, ob ich mich dieser Auszeichnung jemals werde würdig erweisen können, denn schon aus biologischen Gründen werde ich meinen Charakter nicht mehr grundlegend ändern. (und eigentlich will ich´s auch gar nicht)

Ich habe eine wunderbare, aufregende, anregende, fordernde und fördernde Familie. Zeitlebens bin ich auf den Gebieten tätig, wozu ich Lust und Fähigkeiten habe. Seit meiner Schulzeit lebe ich gerne in einem Land, dessen Verfassung und Grundgesetz ich schätze. (allerdings kenne ich auch kein anderes Land so gut.) Wobei ich sagen muss, dass mich die ständig neuen Sicherheitsgesetze gespickt mit Datensammlungen, doch ziemlich beunruhigen und herausfordern.

Seit 1983 bin ich in Berlin in einer „strategischen und kritischen Allianz“ mit den Entscheidungsträgern, die für die Geschicke der Flüchtlinge oder der hier unerwünschten Menschen, zuständig sind. Diese Allianz bezieht sich in erster Linie auf die humanitären Werte unserer Verfassung und die Menschenwürde und –rechte.

Unser Leben in Deutschland ist überwiegend rechtlich/juristisch strukturiert und das Suchen nach menschlichen Bedürfnissen, Liebe, Freundschaft, Wertschätzung also Humanität hat zu wenig Raum. Sich nur auf Gesetze und Verordnungen zu beziehen reicht nicht aus, um der Gattung des homo sapiens gerecht werden zu können.

Schon über 70 Jahre bin ich in der katholischen Kirche und auch hier immer wieder im kritischen Dialog mit der „Obrigkeit“ (die Aufforderung des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Preußen: “Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen“ machte ich mir selbst in der Kirche nie zueigen). Bibel und Psalmen sind eine häufig von mir genutzte Lektüre. Ich kann gar nicht anders, als überzeugt sein von der Gleichwürdig- und -wertigkeit eines jeden Menschen und zwar unabhängig von dessen zufälliger Staats- oder Religionszugehörigkeit. Zusätzlich trainiert mich meine über 25jährige Mitgliedschaft in der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi und im Berliner Flüchtlingsrat ständig in der Konfliktbereitschaft und -bewältigung.

Also mische ich mich ein, wenn jemand bei uns ausgegrenzt wird oder werden soll.

Was also liegt näher, als die Mitwirkungschancen, die unsere Verfassung bietet, insbesondere den Menschen zu vermitteln und in Ansätzen zu eröffnen, die bei uns noch fremd sind oder Schutz, Hilfe und Anerkennung suchen?

 

Natürlich habe ich auch die Vision, dass es eines Tages auf der Erde keine National- oder Staatsgrenzen mehr gibt, dass gewaltsame Konfliktlösungen unvorstellbar sind und jeder der will und kann, seine Fähigkeiten gemeinschaftsfördernd einbringt. Auch deshalb interessiere ich mich für die Pläne und Sehnsüchte der jungen Menschen und ermutige sie, sich immer einzumischen, wenn sie mit Egoismus oder gar Ethnozentrismus konfrontiert werden.

Ihr könnt und sollt euch einmischen und streicht den Satz: „so ist es eben, da kann man nichts machen“ aus eurem Denken und lasst euch vom Ausspruch der Philosophin Hannah Arendt bewegen: „Keiner hat das Recht zu gehorchen“ und sie führt dazu aus: „Wer nur gehorcht, denkt nicht selbst nach und lässt andere für sich denken“

 

Nun genug der Worte, ich danke Ihnen und euch allen, dass ihr mich toleriert und mich begleitet. Bemühen wir uns weiter, dann kommen wir unseren Zielen näher.

 

25.02.2009
Traudl Vorbrodt

 

(Sperrfrist bis 25.02.09 14 Uhr! Es gelten die gesprochenen Worte)





 

 

 






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